Freitag, 26. August 2016

Erste Schulwoche


Molo oder Molweni (plural) aus Südafrika, East London!

Am Montag, den 22. August, sind die alten Freiwilligen nach Hause geflogen. 
Nach einer langen Diskussion und nachdem wir gelost haben, welche 4er WG in welches Haus einzieht, konnten wir Montagabend, nach unserem ersten offiziellen Arbeitstag, endlich einziehen. Nun muss ich nicht mehr aus dem Koffer leben, nun kann ich mein Zimmer einrichten, nun beginnt das Jahr in Südafrika richtig!

Montag haben wir als erstes mit der Klasse von Khanyisa (1a) Sport gemacht. Danach wäre die 1b dran gewesen, aber weil die Klasse gerade gegessen hat, mussten wir etwas warten, bevor wir auf das Sportfeld gehen konnten. Am Anfang begleiten die Lehrerinnen die Klasse noch beim Sport, wodurch uns der Einstieg etwas erleichtert wird. Obwohl ich schon ein paar Wörter Khosa beherrsche, ist es doch ganz gut, wenn die Lehrerinnen gerade zu Beginn noch übersetzten, sodass die Kinder verstehen, was wir von ihnen wollen. Wichtige Vokabeln für den Sportunterricht sind beispielsweise "Mamelani" (Hört zu), "Thulani" (Seid leise) und baleca (laufen). Weil die jüngeren Kinder noch so gut wie kein Englisch sprechen, versuchen wir etwas Khosa zu lernen.
Die vierte Klasse, die wir an diesem Tag auch noch hatten, hätte laut Plan um 11:45 Uhr Sportunterricht gehabt. Als wir die Klasse abholen wollten, haben wir von der Lehrerin erfahren, dass das zeitlich gar nicht passt, dass wir um diese Uhrzeit Sport machen. Nächstes Mal sollen wir eher kommen, aber für dieses eine Mal war es noch in Ordnung, dass wir die Sportstunde laut Stundenplan durchgeführt haben.


Das ist die Floradale Primary School, wo Tim und ich den Sportunterricht machen.  


Ich bin gerade dabei, die Mädels in zwei Teams einzuteilen.


Am Dienstag (23.08.16) war eine Klasse barfuß auf dem Feld. Die Kinder machen in ihren Schuluniformen Sport. Manche ziehen ihre Schuhe aus, damit sie nicht kaputt gehen, schmutzig werden und abnutzen. Sportschuhe hat keines der Kinder, weswegen die naheliegende Option dann barfuß ist. Das Problem ist, dass das Feld voll mit Glasscherben ist, die Kinder darein treten und sich verletzen. Genau das ist dann auch passiert, ein Kind ist in eine Glasscherbe getreten und hat geblutet. Die Lehrerin hat es versorgt. Meine Hände hatte ich dort mit Pflastern beklebt, wo kleine Wunden waren, damit auf keinen Fall mein Blut mit dem eines anderen in Kontakt kommt. Ich weiß nicht, welches Kind Aids hat, ich möchte es auch nicht wissen, ich möchte nur vorsichtig sein. Deswegen haben wir auch immer ein Erste Hilfe Set bei uns. 

Ich hatte den Schwimmern am Tag davor gesagt, dass sie bitte ihr Schwimmzeug direkt mit zu Schule nehmen sollen, damit wir nach Schulschluss gleich los können. Normalerweise hätten die Kinder erst später Schulschluss gehabt, doch auf einmal hieß es, es gäbe kein Wasser mehr. Kurzerhand wurde beschlossen, dass alle Kids nach Hause dürfen. Das passte mir ganz gut, weil ich dachte, dass ich dann eher mit den Kindern zum Schwimmen gehen kann. Jedoch hatten sie ihre Schwimmsachen nicht dabei, weswegen alle kurz nach Hause gelaufen sind, um diese zu holen. Kurze Zeit später bin ich dann mit den Kindern durch das Township Nompumelelo zum Pool der Meryfield School gelaufen. Dadurch, dass wir alle zusammen gelaufen sind, habe ich mich sicherer gefühlt. Ich habe gemerkt, dass es meine Aufgabe sein wird, den Kindern das Schwimmen beizubringen. Das ist aber gar nicht so leicht, denn das Wasser ist sooooo kalt, dass wir es alle nicht lange darin ausgehalten haben. Aber bald wird ja Sommer, dann wird es hier wieder wärmer. Auf dem Rückweg zur Schule, hat mich ein Mädchen den ganzen Weg über begleitet. Nicht nur, weil ich keine Orientierung habe, sondern damit ich sicher zurückkomme. Wirklich super lieb! Die anderen Kinder sind schon während des Rückweges nach Hause gegangen und obwohl das Mädchen, welches mich begleitet hat, eigentlich in eine andere Richtung nach Hause musste, ist sie mit mir zurück zur Floradale gelaufen. Dort angekommen hat sie solange gewartet, bis ich abgeholt wurde, wirklich unfassbar lieb von ihr!

Danach bin ich weiter zum Triathlon. Tim und ich haben die Triathleten (einen Teil der Gruppe) abgeholt und sind dann zum Sportplatz gefahren. Dort haben wir den Trainer, King, getroffen. Wir haben mittrainiert, was wirklich Spaß gemacht hat. 
Nachdem ich an diesem Tag dann 12 Stunden unterwegs war, bin ich abends müde ins Bett gefallen.

Am Mittwoch (24.08.16) waren wir ganz überrascht, denn das Gate der Floradale war auf einmal abgeschlossen. Der Grund war, dass der Headmaster des Distrikts zu Besuch war. Die Floradale ist eine von 27 Schulen, für die er zuständig ist. Das alles wussten wir gar nicht, als wir das Schulgelände betreten haben. Zufällig sind wir dem Headmaster über den Weg gelaufen. Wir haben uns vorgestellt und es schien, als würde er es gut finden, dass zwei Volunteers an einer seiner Schulen den Sportunterricht mit den Kindern machen. Die Stimmung in der Schule war heute angespannt, denn der Leiter des Distrikts hat sich genau angeguckt, wie der Unterricht in der Schule abläuft und wie der generelle Zustand der Schule ist. 
Gegen 11:00 Uhr gab es wieder kein Wasser, weswegen alle Kinder nach Hause gehen durften. Kein Wasser bedeutet, dass keiner auf Toilette gehen kann und es gibt nichts zu trinken. 
Weil wir eher Schluss hatten, sind Tim und ich schon zur A.W. Barnes Primary School gefahren, wo wir später Vivien und Tobi abholten sollten.
Die Barnes ist das komplette Gegenteil der Floradale: Alle Kinder, ab Grade 1 sprechen Englisch, es gibt eine Assembly Hall, Klassenräume in einem Gebäudekomplex, Toiletten mit Klopapier und Spiegeln und einen riesigen Sportplatz mit Gras und ohne Scherben. Der Schulleiter Mr. Gamid, ist super engagiert und als wir ihn kennengelernt haben, sagte er gleich, dass wir, obwohl wir gar nicht an seiner Schule sind, uns immer an ihn wenden können. 
Als ich ihm erzählt habe, dass ich hier beim Triathlonprojekt mitmache, sind wir auf das Thema des Nachwuchses für dieses Projekt gekommen. Die meisten Triathleten sind 17 Jahre und älter. Es gibt nur einen, der noch jünger ist (14 Jahre). Brett hatte mir bereits beim 2ten Vorbereitungsseminar gesagt, dass neue Triathleten gebraucht werden. Nun wird es meine Aufgabe sein, neue Triathleten zu finden. Mr. Gamid hat mir erzählt, dass alle Triathleten von der Barnes kommen und es vor zwei Jahren bereits ein Schwimmprojekt gegeben hätte, welches letztes Jahr leider nicht weiter geführt wurde. Er hat mir angeboten, dieses Projekt wieder aufzunehmen, weil die Gruppe noch immer bestehen würde. Er sagte, einige der Kinder könnten bereits schwimmen und ich war hellauf begeistert. Ich hatte noch Bretts Worte im Ohr, `Laufen können sie alle, Radfahren auch, nur Schwimmen ist das Problem`. Ich werde auf jeden Fall weiter mit Mr. Gamid in Kontakt stehen und es mir zur Aufgabe machen, dieses Projekt umzusetzen beziehungsweise über das Schwimmprojekt neue Triathleten zu finden.
Erst war ich traurig, dass ich nicht an der Barnes bin, aber jetzt bin ich doch froh, dass ich an der Floradale bin, weil die Schule einen besonderen Flair hat und die Kinder einfach super lieb und herzlich sind.
Abends war wieder Triathlon (Running). Wir haben bei einem öffentlichen Lauf durch Beacon Bay (7,5km) mitgemacht, welcher jeden Mittwochabend stattfindet. Ich war echt froh, dass einer der Triathleten mit mir gelaufen ist, damit ich die Strecke kennen lerne. Man muss wirklich aufpassen, weil öfter die Straßenseite gewechselt wird und überall Autos sind. Dennoch hat der Lauf wirklich Spaß gemacht!

Am Abend habe ich gemerkt, wie meine Stimme mittlerweile gar nicht mehr da war, dafür aber Hals- und Kopfschmerzen. Es hatte sich schon die letzten Tage angedeutet, dass ich krank werde, aber ich wollte es nicht wahrhaben. 
Somit bin ich am nächsten Tag (Donnerstag, 22.08.16) wieder zur Schule. Leider wurde mir zudem noch schwindelig, weswegen mich Joe nach der ersten Stunde abgeholt und nach Hause gefahren hat (DANKE Joe!). Ich wollte einfach nicht gleich am Anfang krank sein. Im Nachhinein hätte ich gleich zu Hause bleiben sollen, wie mir auch Khanyisa, unsere Ansprechpartnerin in der Schule gesagt hat. Es tut gut zu wissen, dass wir uns immer an sie wenden können, egal was, sagte sie.
Damit ich erstmal wieder richtig fit werde, meinte Khanyisa, solle ich Freitag auch zu Hause bleiben. Daran habe ich mich jetzt auch gehalten. Weil es heute den ganzen Tag regnet, findet sowieso kein Sportunterricht statt. Somit verpasse ich heute nichts an der Schule.
Nun sitze ich hier in meinem Zimmer und schreibe den Blogeintrag. Eingepackt im dicken Winterpulli und Wollsocken. Kaum vorstellbar, dass es morgen 35°C werden sollen.

Straßenverkehr
Ich muss schon sagen, dass ich mich nach einer Woche hier schon relativ gut an den Linksverkehr gewöhnt habe. Sogar den 8Seater fahre ich mittlerweile einigermaßen selbstsicher. Man bedenke, dass ich nie zuvor ein so großes Auto, auch nicht in Deutschland im Rechtsverkehr, gefahren bin. 
Manchmal ist es noch etwas verwirrend, dass an Kreuzungen links die Geradeausspur ist. Und wenn man geradeaus über eine Kreuzung fährt, darf man oft nicht ganz gerade aus fahren, sondern etwas links, weil man sonst in den Gegenverkehr fahren würde. 
Gerade im Kreisel ist höchste Aufmerksamkeit gefordert. 
Die Regeln sind: 
vor dem Einfahren links blinken = ich fahre links raus / 1te Ausfahrt, 
nicht blinken = ich fahre geradeaus raus / 2te Ausfahrt,
vor dem Einfahren rechts blinken = ich fahre rechts raus / 3te Ausfahrt
Und klar gilt, der, der im Kreisel ist, hat Vorfahrt. Man muss sich genau merken, wann wer in den Kreisel reingefahren ist, damit man auch weiß, wo wer wieder raus möchte. Erstaunlicherweise funktioniert dieses System echt gut. 
Noch überraschter war ich, dass an den großen Kreuzungen der Verkehr so gut funktioniert. Oft steht dort ein Stoppschild mit einer 4 darunter. Das bedeutet "first comes first", sprich wer als erstes an der Kreuzung steht, darf als erstes fahren und alle anderen warten. Auch hier muss man wieder gut aufpassen, wann wer dran ist. Aber hey, es klappt!

Der Nahoon Beach in East London. An diesem Tag waren die Wellen leider zu klein umzu surfen.


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